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Longiertraining erobert die Hundesportwelt. Der Hund lernt einen mit Flatterband markierten Kreis zu umrunden. Der Mensch steht (zumindest anfangs) innerhalb des Kreises und lenkt den Hund mittel Sichtzeichen und Körpersprache.

Es ist nicht ganz klar, wer diese neue Sportart entwickelt hat und wo die Ursprünge liegen. Longiertraining könnte aus dem Bereich des Pferdetrainings stammen. Dabei wird eine 10 bis 15 Meter lange Leine (Longe) am Kopfhalfter des Pferdes befestigt. Der Mensch hält das andere Ende der Longe und treibt das Pferd z.B. mit einer Peitsche von sich weg. Durch die Longe läuft das Pferd gezwungenermaßen im Kreis.  Auch aus dem Bereich des Hütetrainings könnte die Idee zum Longiertraining herstammen.  Beim Training von z.B. Border Colies stehen die Schafe beim Erstkontakt in einen kreisförmig aufgestellten Zaun (Pferch). Der Hund lernt diesen Pferch zu umkreisen und sich während des Laufens stoppen zu lassen.  Vielleicht kam auch jemand zufällig auf die Idee den Kreis als Hilfsmittel zum Aufbau von Distanzübungen für andere Sportarten zu nutzen.

Immerhin lässt sich im fortgeschrittenen Stadium des Longiertrainings die Distanzarbeit in allen möglichen Hundesportarten wie z.B. Dog Dance, Agility, Treibball oder sogar Schutzhundesport nutzen.

Der ein oder andere Clickerfan wird mit dem Begriff „Longiertraining für Hunde“ nichts Gutes assoziieren. Immerhin gibt es einige Hundetrainer die dem Hund das Umlaufen des Kreises beibringen, in dem die Kreismitte als Tabuzone erklärt wird. Der Hund wird also mehr oder weniger unsanft aus dem Innenkreis degradiert, wenn er ihn betritt.  Das macht für deren Trainingszweck Sinn. Immerhin ist die Arbeit am Kreis als „Einordnung in die Rangordnung“ gedacht. Das auf Distanz zum Menschen halten durch Vertreiben führt bei manchen Hunden zum Effekt, dass sie mehr auf ihren Menschen achten und der Wunsch nahe zu bleiben größer wird. Allerdings möchte ich an dieser Stelle mit großer Überzeugung erwähnen, dass es da durchaus andere Möglichkeiten im Bereich des Blickkontakt-  und Radius-Training und der Beschäftigung gibt, um einem Hund mehr Aufmerksamkeit zu seinem Menschen zu lehren – ohne Nebenwirkungen, die beim Vertreiben auftreten können.

Ganz davon abgesehen ist einer der interessantesten Effekte am Longierkreis, dass der Hund lernt auf die körpersprachlichen Signale seines Menschen zu achten – und das allein mit Hilfe des Clickers, ein paar Leckerchen, ggf. einem Spielzeug oder Futterbeutel oder Targets, aber ganz ohne den Hund vorher zu vertreiben.  Weitere positive Effekte des Longiertrainings sind die Distanzarbeit und die Auslastung von Geist & Körper auf verhältnismäßig kleinem Raum.  Hat der Hund erst einmal begriffen, dass er  den Kreis umrunden soll, dann ist das Einfügen von Steh, Sitz, Platz, Wendungen & Tricks auf Distanz eine Kleinigkeit. Je nach Durchmesser des Kreises läuft der Hund in kurzer Zeit viele hundert Meter und muss gleichzeitig dabei auf  die Körpersprache seines Menschen achten – das powert aus! Insofern ist Longiertraining sowohl  zum Aufwärmen vor anderen sportlichen Tätigkeiten wie z.B. Frisbee spielen geeignet als auch als Abwechslung zum Spaziergang – vor allem für Hunde, die über ein großes Bewegungsbedürfnis verfügen und/oder nicht oft freilaufen können.

Um einen Longierkreis zu errichten, benötigen Sie:

- eine ebene Fläche wie z.B. Wiese oder einen Sandplatz

  1. -ca. 10 Befestigungsmöglichkeiten für das Flatterband

  2. - z.B. 50 cm hohe Weidezaunpfosten (z.B. bei ebay erhältlich)

- mind. 100 Meter Flatterband

- 1 mind. 15 Meter langes Seil

Falls Sie Ihren Hund am Trainingsgelände nicht ableinen können, benötigen Sie außerdem eine lange Leine von mindestens 10 Metern.

Nutzen Sie eine der Befestigungsmöglichkeiten und das Seil als Zirkel. Stellen Sie die Befestigungsmöglichkeit in der zukünftigen Kreismitte auf. Binden Sie das Seil daran und entfernen Sie sich mit dem anderen Ende soweit wie möglich. Setzen Sie auch hier die Befestigungsmöglichkeit. Gehen sie nun am äußeren Ende des Seils zum Beispiel sechs Schritte weiter und setzen sie wieder eine Befestigungsmöglichkeit – so oft bis der Kreis geschlossen ist. Nun können Sie die Befestigungsmöglichkeit in der Mitte entfernen, alle übrigen verbinden Sie mit dem Flatterband zu einem Kreis. Und schon kann es los gehen!

Setzen Sie Ihren Hund vor dem Flatterband ab. Stellen Sie sich auf die andere Seite des Flatterbandes im Innenkreis frontal zu Ihrem Hund auf. Deuten Sie mit der rechten Hand nach rechts und bewegen Sie sich ggf. auch ein paar Schritte in die Richtung. Sobald Ihr Hund sich in die richtige Richtung bewegt: Click & Futter über das Flatterband reichen oder werfen. Wiederholen Sie diesen Ablauf in jede Richtung einige Male. Nun können Sie beginnen etwas länger neben dem Hund herzulaufen und Momente zu clicken und belohnen, in denen der Hund aufmerksam neben Ihnen herläuft (Kriterien: Mensch anschauen, auf Höhe des Menschen laufen). Wenn Ihr Hund in den Innenkreis kommt, dirigieren Sie ihn mit einer freundlichen Handgeste hinaus und es geht sofort weiter. Sie müssen nicht nach jedem Click aus der Sitzposition starten, sondern können füttern und weiterlaufen fließend kombinieren.  Sie können nun beginnen, die Distanz zwischen Ihnen und Ihrem Hund zu vergrößern. Hierbei bietet es sich an nicht einfach näher zur Mitte zu gehen, sondern aus der Sitzposition mit mehr Distanz zum Hund zu starten. Denn das Eindrehen der Schulter zur Kreismitte, animiert viele Hunde in die Kreismitte zu kommen. 

Wenn es Ihrem Hund schwer fällt sich von Ihnen zu lösen, dann können Sie unterstützend mit Laufzielen arbeiten. Hier eignen sich bereits bekannte Targets oder Motivationsmittel wie Spielzeug oder Futter im Beutel bzw. der Dose. Lassen Sie Ihren Hund wieder Sitz machen und deuten Sie ihm zu bleiben. Legen oder werfen Sie den Target oder das Motivationsmittel an den Kreisrand (nicht Innen) ein paar Meter vom Hund entfernt, aus. Stellen Sie sich wieder mit etwas Distanz frontal zum Hund auf und deuten Sie ihn zum Start die Richtung an. Gehen Sie ihm erst kurz bevor er am Laufziel ankommt, hinterher, um ihn außerhalb des Kreises zu belohnen. So lernt Ihr Hund loszulaufen ohne dass Sie mitgehen.

Sobald Ihr Hund den Kreis umrundet, während Sie in der Kreismitte stehen, können Sie diverse Übungen integrieren. Lassen Sie ihn auf Signal hin stehen, sitzen oder liegen, indem Sie sich zum laufenden Hund frontal ausrichten und die ihm bekannten Hör- und Sichtzeichen geben. Lassen Sie Ihren Hund nach der Übung auch mal in die andere Richtung laufen. Probieren Sie, ob Ihr Hund den einen oder anderen Trick auch auf Distanz beherrscht. Bauen Sie Sprünge und andere Gerätschaften am Kreisrand auf.  Integrieren Sie Übungspartner in Ihr Longiertraining. Es könnte zum Beispiel jemand mit seinem Hund im Inneren des Kreises spielen, während Ihr Hund sich nach wie vor auf Ihre Körpersprache konzentriert.  Auch für den Übungspartner ist es eine Herausforderung im Sitz-Bleib zu warten, während Ihr Hund am Kreis entlang an dem Hund vorbeirennt. Wenn Sie mehrere Hunde haben, können Sie auch probieren beide gleichzeitig zu longieren bzw. Ihren Hund gleichzeitig mit einem anderen Mensch-Hund-Team an demselben Kreis zu longieren.

Probieren Sie aus, Ihre Position innerhalb des Kreises zu verändern. Gehen Sie weniger mit. Halten Sie  sich mal ganz nah am Band auf und Ihr Hund soll trotzdem den ganzen Kreis umlaufen. Vielleicht können Sie sogar den Innenkreis verlassen und Ihren Hund auch außerhalb des Kreis drum herum dirigieren?

Als letzten Schritt können Sie auch das Flatterband abbauen, indem Sie beginnen Lücken ins Flatterband zu schneiden bis irgendwann nur noch die Zaunpfähle als Markierung helfen und irgendwann gar keine Hilfe mehr vorhanden ist. Sie können aber auch Markierungspunkte in der Umwelt wählen, wie z.B. Mensch-Hund-Teams, die einen Kreis bilden, große Blumenbeete, Baumgruppen und vieles mehr! 

Sie merken schon, es gibt jede Menge Übungsvariationen, sobald der Hund vorstanden hat, dass er um den Kreis rennen soll.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Training!

 

Longiertraining mit dem Clicker von Pia C. Gröning

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